Bundestreffen der Nachtwanderer in Öhringen

Es war ein großes Hallo vor dem Rathaus in Öhringen, als am Freitagabend die Vertreter der Nachtwanderergruppen in ganz Deutschland sich zum Empfang der Großen Kreisstadt trafen. Je eine Delegation aus Dänemark und Norwegen ergänzten die Gästeliste. Knapp 90 Personen aus 24 Kommunen versammelten sich im Weißen Saal und wurden von Oberbürgermeister Michler und Landrat Neth herzlich begrüßt. „ Ich bin ein Fan der Nachtwanderer, sie machen eine hervorragende Arbeit bei uns“ so Thilo Michler. Bei der Vorstellung der Gruppen zeigte der Bundeskoordinator Lasse Berger auf, dass es derzeit in Deutschland zwei Bereiche gebe, nämlich den Norden und den Süden, in denen die Gruppen präsent sind, im Westen vereinzelt, im Osten gar nicht. Vor allem der Süden hat in den letzten Jahren einen massiven Zuwachs zu verzeichnen. In diesem Jahr hat man sich das Thema Vernetzung und Zusammenarbeit der Nachtwanderer mit den professionellen Jugendarbeitern, der Mobilen Jugendarbeit, vorgenommen. Nach einem leckeren Buffett und eine nächtlichen Stadtführung ließen die Gruppen den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.

Am nächsten Morgen begrüßte Günter Reustlen, Leiter der Öhringer Gruppe die Gäste im Hoftheater, das für diesen Tag Tagungszentrum war und gab eine kleine Einführung. Er zeigte mittels eines Films, wie die Nachtwanderer in Öhringen agieren und welche Erfahrungen sie machen. Matthias Reuting vom Diakonischen Werk Württemberg referierte über das Thema „Mobile Jugendarbeit und Nachtwanderer: Ergänzung oder Konkurrenz?“ und spiegelte die Akteure im öffentlichen Raum wieder. Die Jugend ist auf den öffentlichen Raum für ihre Entwicklung, auch mit seinen Widrigkeiten und Gefährdungen. Verantwortliche in der Jugendarbeit müssen abschätzen, wie und wo Treffmöglichkeiten unbehelligt geschehen können, aber auch das Gefahrenpotential einzugrenzen sind. Alkoholmissbrauch und Vandalismus führen oft zu verschärften Kontrollen des öffentlichen Raums.

Hier hat die Bürgerinitiative Nachtwanderer ihren Auftrag klar zu formulieren und durchzuhalten, was aufgrund der verschiedenen Erwartungen von Kommune und Bürgerschaft nicht leicht ist. Will man auf der Seite der Jugendlichen sein, können und dürfen ordnungsrechtliche Aufträge nicht angenommen werden. Im Gegensatz zu den Mobilen Jugendarbeitern ist der Kontakt zu der Jugend auf den Ort und den Zeitpunkt der Wanderung beschränkt. Die Professionellen dagegen haben einen darüber hinaus ragenden Auftrag, die der Beratung und der Begleitung von jungen Menschen. (für weitere Ausführungen: das Referat ist demnächst auf der Homepage unter Nachtwanderer einzusehen).

Die Moderation für die Tagung übernahm Hans-Jürgen Saknus, der Leiter des Jugendreferates. In 6 Workshops wurden über die Ausführungen des Referates aber auch über die Grundlagen der Nachtwanderer beraten (folgend im Wortlaut):

Workshop A: Mobile Jugendarbeit und Nachtwanderer – In diesem Workshop nehmen wir die Impulse aus dem Referat direkt auf und stellen uns den Fragen zum Verhältnis der beiden Arbeitsformen und Gruppen.

 Workshop B: Das Verhältnis der Nachtwanderer gegenüber anderen im öffentlichen Raum Agierenden – Das im Referat angesprochene Verhältnis der Nachtwanderer und der Mobilen im öffentlichen Raum ist auch auf andere Institutionen wie Polizei oder Personen wie Gastronomen und Anwohner übertragbar. Aus unterschiedlichen Perspektiven heraus soll der eigene Auftrag geschärft, die Qualität und die Kompetenzen beschrieben werden.

 Workshop C: Mehr als Nachtwandern? – Nachtwanderer als Sprachrohr für die informellen Aufträge von Jugendlichen, die sich bei den Kontakten ergeben. Gehören über die Nacht hinaus begleitende Aktionen und Angebote zur Arbeit der Nachtwanderer, und wenn ja, welche?

 Workshop D: Ernstfall „stark alkoholisierte Jugendliche“ – Alkoholkonsumierende Jugendliche sind Alltag in der Arbeit der Nachtwanderer. In einem Fallbeispiel soll das Zusammenwirken von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Personen und Kräften dargestellt werden, damit Situationen deeskalieren und entschärft werden können.

Workshop E: Was braucht es, um ein Nachtwanderer zu sein? Auftrag, Kompetenzen und Standards – Nachtwanderer sind Bürger ohne beruflichen Auftrag, aber mit ehrenamtlicher Motivation und einem Rucksack voller Mut. Reicht das aus? Die Nachtwanderer als Marke im öffentlichen Raum mit erkennbaren Grundsätzen und Regeln.

 Workshop F: Die bundesweite Bewegung der Nachtwanderer – Was soll auf Bundesebene geschehen und welche Aufträge und Wünsche sind dort zu sammeln? Offen sind die Finanzierung einer Bundeskoordination und die Frage nach regionalen Verbänden. Was empfiehlt sich als Organisationsform vor Ort und welche übergeordnete Unterstützung kann erwartet werden?

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Kultura-Restaurant wurden die Ergebnisse der Workshops gesammelt und vorgestellt. In der Diskussionsrunde einigten sich die Teilnehmer auf die Grundprinzipien der mittlerweile auch vom Namen her geschützten Initiative. (Protokollarische Ergebnisse demnächst auf der Homepage)

Zum Abschluss berichtete Bundeskoordinator Lasse Berger über die Ergebnisse seit dem letzten Treffen und stellte eine Ausstattungs-Kollektion für neue Gruppen vor. Über die Vernetzung und bundesweite Koordination wurde diskutiert und neu beschlossen, dass es künftig 2 Koordinatoren für Nord und Süd geben soll. Lasse Berger stellte sein Amt zur Verfügung, erklärte sich aber bereit, zusammen mit Hans Schüler aus Stuhr noch für ein weiteres Jahr für den Bereich Nord tätig zu sein. Für den Süden übernahm Angelika Brauner aus Metzingen die Verantwortung. Auch vereinbarte man, bei dem zweijährigen Rhythmus des Bundestreffens zu bleiben. Die Gruppe aus Stadtlohn übernimmt das nächste Treffen in 2016.

Die Lange-Nacht-der-Kultur war für viele Teilnehmer noch ein schöner Abschluss des Bundestreffens.

(Bilder des Bundestreffens siehe Galerie)

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