Nachtwanderer im Einsatz

–Bericht eines Nachtwanderers-

von Bernd Bareis

Es ist Freitagabend 21 Uhr. Wir sind heute dran mit Nachtwandern. Eine Gruppe von 3 bis vier ehrenamtlich tätigen Erwachsenen trifft sich hoch motiviert am Unteren Tor, um gemeinsam durch Öhringen zu „wandern“. Bei unserem nächtlichen Unterwegs Sein haben wir ein Ziel: Begegnung suchen mit Jugendlichen, Anteil nehmen am Ergehen von jungen Menschen, die sich meist in Gruppen an verschiedenen Orten im Öhringer Stadtzentrum treffen. Wir rüsten uns mit Hilfsmitteln wie Taschenlampen, Informationsmaterial, Kuli und anderen Nützlichkeiten an unserem Treffpunkt aus. Und dann geht es schon los. Wir fragen uns: Wen werden wir heute Nacht treffen? Wie werden die Gespräche verlaufen? Wird es eine kalte Nacht? Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf eine erste Gruppe Jugendlicher. Sie erkennen uns an unseren Roten Jacken mit der Aufschrift „Nachtwanderer“ die uns vor der Kälte schützen, schon von weitem. Wir hören: „Die Nachtwanderer kommen“. Keiner sucht sein Heil in der Flucht. Das Gegenteil ist der Fall: Wir begrüßen uns freudig, offen und schon bald sind die ersten Gespräche in vollem Gange. Wir hören zu, was die Jugendlichen zu erzählen haben, was sie gerade bewegt. Machen gemeinsam ein Späßlein, und schauen auch mal kritisch auf manche Alkoholika oder den Abfall, der rum liegt. Die Beziehung zu den Jugendlichen ist vertrauens- und respektvoll. Denn sie spüren unsere Verbindlichkeit und Echtheit in der Anteilnahme. Dies verträgt auch ein mahnendes Wort. Im Nu ist eine halbe Stunde rum und wir ziehen weiter. Bald schon treffen wir eine weitere Gruppe junger Erwachsener, die sich in einer Tiefgarage versammelt haben. Es gibt ein großes freudiges Hallo zur Begrüßung. Auch hier erleben wir eine große Offenheit und Bereitschaft zum Austausch. Einer berichtet stolz, dass er den Führerschein seit wenigen Tagen gemacht hat. Er zeigt ihn vor Freude strahlend. Dies muss heute natürlich gebührend im Freundeskreis gefeiert werden. Überhaupt finde ich es sehr beachtlich, dass die meisten angetroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich in der Schul- oder Berufsausbildung befinden. Oft reden wir über berufliche Ziele und Chancen. Dies passt gar nicht ins Klischee, das manche Bürger von den jugendlichen Nachtschwärmern und Störenfrieden haben. Einer fragt uns lächelnd, warum wir diese Arbeit machen, nachts in Öhringen „…auf Jugendliche auf zu passen“. Bereitwillig sagen wir ihm, dass er und die anderen Jugendlichen uns wichtig sind. Dass es uns nicht egal ist, was sich nachts in unserer Stadt abspielt. Dass wir Jugendlichen helfend und begleitend zur Seite stehen möchten. So vergeht auch hier die Zeit wie im Fluge. Dann geht es über diverse Parkhäuser weiter in Richtung Öhringer Norden. Wir treffen auf Polizisten, die Nachtdienst haben. Sie sind gerade dabei, einen Platz zusammen mit Jugendlichen wieder  in Ordnung zu bringen. Wir bedauern es sehr, dass es leider immer noch vereinzelt Cliquen gibt, die Treffpunkte stark verunreinigt zurückgelassen. Es geht schon auf Mitternacht zu, als wir die letzte Gruppe junger Erwachsener an einer Parkbank antreffen. Schnell kommen wir ins Gespräch. Einer erzählt uns von seiner Berufsausbildung als Metallfacharbeiter. Ein anderer berichtet von seiner Arbeit im Messebau. Auf unsere Frage, ob es ihnen im Freien bei Minusgraden nicht zu kalt sei, meinten Sie, dass die gute Gemeinschaft, das ungezwungene Beisammensein, sie nicht frieren lassen würde. Gegen 0.30 h verabschieden wir uns und kehren an unseren Ausgangspunkt zurück. Fazit einer Nachtwanderung: Viele gute Begegnungen und gute Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, keine besonderen Vorkommnisse oder Unfällen. Wir verabschieden uns im Team zwar müde, aber mit einem guten Gefühl, etwas sehr sinnvolles getan zu haben.

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